Nachrüstung: 300.000 Photovoltaik-Anlagen betroffen

Innerhalb der nächsten 2 Jahre müssen mehr als 300.000 Photovoltaik-Anlagen nachgerüstet werden, damit das deutsche Stromnetz keinen Kollaps erleidet. Wer nicht reagiert, bekommt kein Geld mehr.

Nachrüstung: 300.000 Photovoltaik-Anlagen betroffenInnerhalb der nächsten 2 Jahre müssen mehr als 300.000 Photovoltaik-Anlagen nachgerüstet werden. Diese Nachrüstung betrifft den oder die Wechselrichter und gegebenenfalls die Entkupplungsschutzeinrichtung der Anlage. Warum diese Bauteile erneuert werden müssen und bei welchen Anlagen eine Nachrüstung überhaupt notwendig ist, wird im Folgenden ausführlich erklärt.

In Europa herrscht eine Netzfrequenz von 50 Hertz. Dieser Normalfall kann jedoch durch höhere oder niedrigere Einspeiseniveaus schwanken. Da jedoch immer mehr Stromerzeugungsanlagen Strom ins Netz einspeisen, schwankt die europäische Netzfrequenz häufig nach oben. Dies wird dann zum Problem, wenn die Netzfrequenz eine Wert von 50,2 Hertz überschreitet: denn genau ab diesem Wert schalten sich viele Photovoltaikanlagen automatisch ab und speisen damit keinen Strom mehr ins Netz ein. Die Konsequenz dieser Abschaltung ist mit verheerenden Auswirkungen verbunden. Schalten sich zu viele Anlagen gleichzeitig ab, könnte es zu einem Stromausfall kommen. Um aber die Stromversorgung sicherzustellen, ist eine Nachrüstung vieler Anlagen unbedingt nötig.

Die Netzbetreiber organisieren diese Nachrüstungen und versenden derzeit Unterlagen an alle Berteiber einer Photovoltaik-Anlage, deren Anlage von einer Nachrüstung betroffen ist. Die Unterlagen enthalten neben Informationen zu den Hintergründen der Nachrüstung auch einen wichtigen Fragebogen zur eingenen Anlage, den es unbedingt auszufüllen gilt. Betreiber sind gesetzlich dazu verpflichtet und haben eine Frist von 4 Wochen, um den ausgefüllten Fragebogen an den Netzbetreiber zurückzusenden. Geschieht dies nicht, so sind die Netzbetreiber dazu verpflichtet, keine weiteren Einspeisevergütungen mehr an die Anlagenbereiber mehr zu zahlen. Wurde die Anlage nachgerüstet, wird die Zahlung der Einspeisevergütung wieder fortgesetzt.

Doch welche Anlagen sind von der Nachrüstung überhaupt betroffen? Man unterscheidet zunächst einmal zwischen Anlagen im Nieder- und Mittelspannungsnetz.

  • Im Mittelspannungsnetz müssen Anlagen über 30 kWp nachgerüstet werden, die nach dem 30. April 2001 und vor dem 01. Januar 2009 in Betrieb genommen wurden.
  • Im Niederspannungsnetz sind neben Anlagen über 10 kWp mit einer Inbetriebnahme zwischen dem 31. August 2005 und dem 01. Januar 2012, auch solche Anlagen über 100 kWp zwischen dem 30. April 2001 und dem 01. Januar 2012 betroffen.


Für den Anlagenbetreiber entstehen für die Umrüstung keine Kosten, sofern er den vom Netzbetreiber engagierten Fachbetrieb akzeptiert. Wünscht er einen anderen Fachbetrieb, müssen entstehende Mehrkosten selbst getragen werden. Die Kosten der Nachrüstung werden laut Systemstabilitätsverordnung vom 26. Juli 2012 zu 50% auf die EEG-Umlage und zu 50% auf die Netzentgelte umgewälzt.

Folgender Ablauf ist also zu beachten:
  • Füllen Sie den Fragebogen aus und senden Sie ihn an die im Anschreiben genannte Adresse zurück.
  • Nach der Auswertung Ihrer Daten wird man mit Innen einen Termin zur Umrüstung vereinbaren. Am Tag des Termins müssen Sie den Technikern des Fachbetriebs Zugang zu Ihrer Anlage ermöglichen.
  • Lassen Sie sich die Änderungen quittieren und bitte Sie in jedem Fall um eine Kopie des Nachweises über die erfolgreiche Nachrüstung.




2012-12-18, Quelle: Systemstabilitätsverordnung, Pressemitteilung Bundesverband Solarwirtschaft e.V.